Auf diesen Seiten geht es um Lernen & Lehren von Deutsch, um Spracharbeit in und mit Deutsch
...
und zwar für die überwältigende Mehrheit der Sprachlerner, die keinen Sprachberuf, kein
Sprachenstudium anstreben, sondern Deutsch in ihrem beruflichen und privaten Alltag brauchen. Für diese Zielgruppe,
die Nicht-Philologen, sind Materialien & Überlegungen hier.
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DaZ & DaF - DaM ... zu den Begriffen
Deutsch als Mutter-, Fremd-, Zweitsprache. Sie sind praktisch, diese Begriffe, aber verführen zu unguten
Assoziationen: Fremd & Zweit - das ist weit. Wer es nicht mit der Muttermilch bekam, gehört nicht dazu.
Während die grobe Dreiteilung ihre Berechtigung in der Theorie hat, ist sie im Hinblick auf Personen und deren Sprachbiographien
wenig hilfreich und wirkt ausgrenzend (besonders
Muttersprache: Das Gemeinte wäre mit Erst- oder Hauptsprache besser erfasst).
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Deutsch für "Nicht-Philologen" ...
Eine grundlegende Idee, vor allem für Aufbau und Ausrichtung von Deutsch-Kursen, ist die klare Unterscheidung von Sprachenlernen bei Sprachstudenten ("Philologen") gegenüber dem Sprachenlernen bei allen anderen. Kurskonzepte und Lehr-Lernmaterialien orientieren sich aber bisher weitgehend am Bedarf derjenigen, die eine Sprache als Studienfach gewählt haben. Sowohl der schulische als auch der erwachsenenbildende DaF-Unterricht versucht in vielen Bereichen, eine "abgespeckte" Version von Metasprache und linguistischen Einsichten in ihre Curricula aufzunehmen. Schlimmer noch: Materialien und Konzepte basieren nach wie vor auf "near-native"-Kompetenz als (handlungsleitendem) Ziel. Entsprechend sorgfältig (d.h. langsam) beginnen sie eine akribische und fehlerphobische Progression. Dies
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bewirkt eine Missproportion von Aufwand zu Erfolg
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ist eine Hauptquelle der Demotivation von Lernern
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wurde nie einer Prüfung auf Sinn und Zweck unterzogen.
Soweit im Sprachunterricht außerhalb linguistischer Studien Metasprache und Metaebene nötig sind, müssen sie hier andere Zwecke als dort erfüllen, müssen für die Lerner einen erkennbaren Nutzen haben (oberhalb der Ebene von Spielchen des Besserwissens). Eine halbherzige Version der "richtigen" Grammatik stört, verwirrt und belastet so den Lernprozess unnötig. Auch die aufs Richtige fixierte Progression bei relativer Wortschatzarmut ist eiligen Lernern nicht angemessen. Aber ein schneller, wortschatz- und fehlerreicher Einstieg in eine neue Sprache scheint beängstigend. Die Illusion des richtigen Lernens ist dominant und führt zu hohen Abbrecherzahlen bei den Lernern bzw. bedingt einen unangemessen hohen Zeitaufwand (im Verhältnis zum Ergebnis) bei denjenigen, die durchhalten.
Solcher Unterricht ist für alle außer linguistisch interessierten Lernern aber ein mehrfaches Ärgernis: Wer den Dingen auf den Grund gehen möchte, stößt schnell auf Ungereimtheiten und Widersprüche innerhalb des vermeintlichen Systems. Wer die Frage nach dem Nutzen von dieser Terminologie & Theorie als Lerninhalte stellt, wird mit überraschenden Argumenten konfroniert, z.B. dass "diese Dinge in Prüfungen oder Vergleichsstudien eben abgefragt werden" und daher gemacht werden müssten.
Wer einfach nur schnell für seinen persönlichen Gebrauch eine neue Sprache erlernen möchte, wird mit schleichender Progression ausgebremst. Wer seine Aussprache/Intonation verbessern muss und möchte, findet schwerlich Hilfe. Wer von der klanglichen Seite her leichter lernen könnte, wenn ihm hierzu Übungen angeboten würden ("phonetikbasierte (Text)Grammatik"), der wird kaum Angebote finden - Fokus in der Lehrerausbildung wie in Kursen & Materialien liegt auf Syntax und Morphologie, auch wenn meist anderes behauptet wird. Dass es so ist, zeigen am krassesten Lehrerkorrekturen in und an Lernertexten.
DaZ & DaF - DaM ... zu den Begriffen
Etablierte Begrifflichkeiten sind praktisch, weil jeder weiß, "was gemeint ist". Aber zugleich zementieren sie mit ihrem Rucksack voller Assoziationen Nähe zu Kategorien, die der Sache mitunter nicht gut tun - und genau das ist bei den Begriffen DaM, DaF und DaZ der Fall, wenn sie auf Personen angewendet werden, die im Land der Zielsprache leben. Wer in Deutschland lebt und (vielleicht nur noch rudimentäres) Russisch, Arabisch, Tamil oder Portugiesisch spricht, ist Deutsch dessen zweite Sprache? Wer die Sprache der Mutter kaum beherrscht, während Deutsch ihm erste und einzige Sprache ist - hat der keine Muttersprache? Wer in Deutschland lebt und neben Kurdisch und Türkisch auch Schwäbisch und Hochdeutsch spricht, hat der eine "Zweitsprache"? Wer jedes Jahr monatelang als "Saisonarbeiter" nach Deutschland kommt, ist Deutsch ihm Zweit- oder Fremdsprache?
Es geht nicht um Wortklauberei - natürlich sind die Übergänge zwischen verschiedenen Spracherwerbs-Typen fließend und wir benennen typische mit Termini, um Anhaltspunkte dafür zu haben, worüber wir sprechen. Nun ist aber die Beweglichkeit der "Realität" höher als die der einmal etablierten Termini, die daher oft Konstrukte der Vergangenheit in einer Weise bezeichnen, die sogar damals eher vorvereinnahmte und vorvereinnahmende Interpretation als Bezeichnung der Situation war. Denn jede einzelne Sprachbiographie sträubt sich gegenüber solchen Kategorisierungen: DaF und DaZ können hier bestenfalls den Anfang des Deutschen in der Lebensgeschichte der betreffenden Person erfassen, sicher nicht eine Festschreibung der Person in eine Kategorie bedeuten. Je länger jemandes Leben mit Deutschland verbunden ist, desto abstruser wird es, von "Zweit-" oder gar "Fremdsprache" zu sprechen, geschweige bei der Kindergeneration.
Die "Zweitsprache" kann mit dem Zweitwagen u. anderen "Zweitbesitztümern" in unglückliche Analogien führen ... und man bedenke, dass eine Fremdsprache nur solange fremd bleibt, bis man beginnt sie zu erlernen: Dann wird sie täglich weniger "fremd".
Diese Termini haben also etwas Trennendes, das einerseits vorhandene Differenzen erfassen kann, andererseits aber eine unumstößliche Exklusion ausdrückt. Daher geht es hier - bei Deutsch in Deutschland - einfach um Deutsch als Sprache mit allen seinen Varianten.