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Einige Punkte zur lernförderlichen Aufgabenstellung:

Sprachbetrachtungen: DaF kontrastiv und DaF nach Englisch

Sprachbewusstheit - Anknüpfungspunkte - Einbeziehung der Ausgangssprache(n)

Die Ähnlichkeiten zwischen Deutsch und Englisch sind für viele Lerner so offensichtlich, dass sie sie auch dort annehmen, wo es nicht ganz so einfach ist, z.B. wenn sich die Wörter ähneln (must - muss), aber ihre Verwendungen nur teilweise.
Dazu kommt, dass viele DaFnE-Lerner in Englisch auch nicht sehr weit fortgeschritten sind. Eine Reflexion, die die Ausgangssprachen mit einbezieht, stärkt so beide Fremdsprachen, also sowohl Deutsch als auch Englisch.
Die meisten Übungen sind auch als rein kontrastive sinnvoll, also ohne die Einbeziehung des Englischen verwendbar.

"Traditionelle" Arbeitsblätter als Ausgangspunkte für Schwerpunktphasen:

1. Modalverben - da sie sehr frequent sind, lohnt sich hier insistierende Bearbeitung und vor allem ausführliche Klärung. Das geht besonders gut, wenn man alternative Formulierungen mit einbezieht (erlaubt, verboten, möglich, wahrscheinlich...).
Sobald die Übersicht bearbeitet ist und die Übertragungsmöglichkeiten in andere Sprachen diskutiert, sollten intensive Anwendungsübungen folgen, z.B.

Übungen wie "Spiele erklären" zeigen wenig Wirkung, wenn sie als einmalige Aktion in einem Sprachkurs auftauchen: Solche Anläufe lohnen nur, wenn sie wirklich mit viel Praxis über mehrere Tage verfolgt und vertieft werden.

2. Wenn - wann - als - hier bietet sich eine Reflexion an, da die Lerner gewöhnlich gegen "guten Input" unempfindlich sind und bei ihrem überbenutzten "wann" bleiben, wenn nicht massiv korrigiert wird.
Ein solcher Überblick und auch lange Serien von Übungen bleiben allerdings wirkungslos ohne fokussierte mündliche Übungen dazu. Besonders geeignet hierfür sind Erzählungen in der Vergangenheit, bei denen regelmäßig auftretende Abläufe geschildert werden, aber auch markante Ereignisse. Mit Dialogformen (Interview, offenes Gespräch usw.) kann Abwechslung in die Übungen gebracht werden.

3. Übungen zur Präzisierung von Wortschatz - je nach Bedarf und Ausgangssprache:
Wortbedeutungen haben bestimmte Ausdehnungen bzw. Grenzen zu Nachbarwörtern, die in den seltensten Fällen deckungsgleich mit denjenigen der Ausgangssprachen sind. Teilweise sind die Ausdehnungen leicht oder stark anders, teilweise muss ein Wort aus der Ausgangssprache durch mehrere in der Zielsprache ersetzt werden. In diesen Fällen treten dann vorhersehbare Schwierigkeiten auf, die sich gut durch analytische und kontrastive Betrachtungen klären und anschließend durch vermehrte Beachtung und Übung stabilisieren lassen.
Bsp.: kennen - können - wissen / von - ab - seit (zweite Seite der Datei).

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Offene Aufgaben

Schreibaufgaben

Ergebnisoffene Aufgaben können vielfältig sein, bekannt sind bisher v.a. Aufgaben aus dem Bereich des kreativen Schreibens.
Die Mischung aus enger und weiter geführten Aufgaben muss in einem Kurs ausgewogen sein - zu viel der ersteren schadet der Fähigkeit zur Sprachproduktion, zu viel der letzteren führt den Lerner häufig in ein Gefühl von Vagheit oder Verlorensein.
Hier zwei "recht" offene Aufgaben zum Schreiben, Zeitbaum und Postkarten. Sie geben einerseits deutlich mehr als einen Anstoß vor, insofern Wortschatzarbeit bzw. Lesearbeit dem Schreiben vorausgeht. Auch verlangt das zweite Beispiel (Postkarte/Brief) zunächst eine bestimmte Sprechhandlung (Vermutungen ausdrücken), danach eine bestimmte Textsorte; zusätzlich drängt die Aufgabe die Nutzung von Vergangenheitstempora auf. Offen bleibt sie trotzdem in mehreren Punkten:

Das erste Beispiel (Zeitbaum) ist von der Aufgabenstellung her dagegen offener und spricht eher die "philosophische" oder auch "biographische" Ader im Lerner an. Von dieser Art Aufgaben vertragen die Kurse oft nicht allzu viele. Als Highlights ab und zu aber können sie Wunder wirken. Sie eignen sich auch gut als Auswahlaufgaben neben stärker fixierten Themen, so dass die Lerner nach Neigung entscheiden können.

Diskussionsaufgaben

Authentische Gesprächsanlässe, die interessante und für die Lerner relevante Materialien nutzen, den Lehrer nicht als Hauptquelle für Information und "Entscheider" brauchen, "normale" Sprecher der Zielsprache als Gesprächspartner einbeziehen ...
... das klingt ideal - und ist zugleich recht einfach. Vor allem für Lerner, die neu in Deutschland sind, ist die "Info-Sammel-Methode" hilfreich, weil sie Anlässe bekommen auf Einheimische zuzugehen und ausloten können, wie sie selbst an Informationen kommen.
Grundgerüst des Aufgabentyps ist, dass die Lerner eine vorgegebene Fragestruktur (z.B. Interview s. Weihnachten, Assoziogramm s. Stammkneipe) als Hausaufgabe oder Feldübung in die Hand bekommen und damit bei Einheimischen Informationen zu einem Thema sammeln. Diese werden dann im Kursraum gesichtet, sortiert und diskutiert. Dabei beginnen die Themen in vielen Facetten zu schillern, zeigen variante und invariante Züge und bergen nicht zuletzt für die Lehrkraft selbst lehrreiche Überraschungen.

Die anschließende Diskussion ist gewöhnlich sehr emotional: Jeder ist von "seinen" Informationen am überzeugtesten, da sie ja von "echten" Einheimischen stammen. Dass Landeskunde nicht funktioniert, indem man einzelnen "Eingeborenen" die volle Deutungshoheit überlässt, wird in diesen Sequenzen deutlich, ohne dass es "erklärt" werden müsste. Die Besprechung zielt zwar auf das gestellte Thema ab, bearbeitet aber unterwegs die gesamte Metaebene mit --> Wie haben die Leute reagiert, wie kann man mit unerwarteten Reaktionen umgehen, warum gibt es teilweise sehr unterschiedliche Antworten? usw.

Weihnachten - ein Standard-Thema, das leicht zum lehrerseitigen Informationsmonopol führt und so zum Langweiler werden kann. In diesem Beispiel - etwas erschwert auch außerhalb Deutschlands machbar - kommt es darauf an, dass eine möglichst breite Info-Basis durch die Lerner erarbeitet wird. Interessant sind dann die invarianten und die varianten Bereiche der Ergebnisse. Die Lerner brauchen einige Tage, am besten eine Woche oder mehr Zeit, um mehrere Informanten zu befragen. Im Kurs lassen die ausgefüllten Bögen dann vielfältige Bearbeitung zu. Schade ist es, wenn der Lehrer anfängt die Punkte von oben nach unten durchzugehen, dazu Lernermeldungen hört und das Ganze totmoderiert. Gut wird es, wenn die Informationen gewürdigt werden, indem

Alles in allem eine "klare" Aufgabe mit außerordentlich vielen Facetten und Ausprägungen, zu schade, um als Info-Input abgehakt zu werden. Das große Variationspotential der Aufgabenstellung, wie es oben angedeutet ist, macht ein Thema mit Aufgaben gerade an die speziellen Gegebenheiten einer Zielgruppe anpassbar.

Stammkneipe - ist ein interkulturell spannendes Thema mit vielen Anknüpfungspunkten (wer trifft sich wo, zu welchen Anlässen, (wie) wird eingeladen, ausgemacht, spontan gegangen usw.). In diesem Beispiel geht der Übung (s.o. letzte Seite der PDF-Datei) eine Kneipentour voraus, so dass die Teilnehmer etwas zu erzählen haben. Auch werden die "wichtigen" Kneipen des Umfeldes einbezogen, die z.T. besucht wurden. Die Übung würde aber ohne Weiteres auch spontan und ohne diese Vorbereitung funktionieren: Jeder Lerner verlässt mit mehreren Notizzetteln und einem Stift den Raum und bittet 2-4 Passanten darum, rasch 3-5 Wörter (Assoziationen zum Stichwort) auf den Zettel zu schreiben. (Das kann in Intensivkursen über die Mittagspause oder bei günstiger räumlicher Lage sogar direkt im Kurs druchgeführt werden). Zurück im Kurs werden die Ergebnisse dann, ähnlich wie oben zum Thema "Weihnachten" beschrieben, gemeinsam bearbeitet.
In diesem Fall ist neben dem landeskundlichen Informationswert der persönliche Gebrauchswert gar nicht zu überschätzen: Man erfährt ganz nebenbei, dass in Kneipen auch nichtalkoholische Getränke ausgeschenkt werden, dass einem in Deutschland keine Verpflichtungen zum Bezahlen für Tischgenossen entstehen, wo man wen abends treffen kann und vieles mehr. Solche Assoziationskarten lassen sich zu ganz konkreten Themen wie Haus (das kann man noch zeichnen) ebenso nutzen wie zu Frühstück (schon schwieriger zu zeichnen) oder ganz abstrakten Begriffen wie Freundschaft. Damit lässt sich - gerade in gemischtnationalen Gruppen oder in Kursphasen, die Einheimische im Kurs integrieren - gut erleben, inwieweit Nennungen durch kulturelle Zugehörigkeiten geprägt sind, aber auch durch individuelle Züge, die sich quer dazu überall finden. Es ist jedoch mit Assoziationskarten mehr noch als mit Fragebögen pro Kurs sparsam umzugehen, da sich diese Aufgabenstellung schnell abnutzt.

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Aufgaben, die das "Lernklima" fördern

Vielleicht gibt es schwierigere und einfachere Gruppen, was das Miteinander im Kursraum, die Atmosphäre betrifft. Sie ist aber ganz wesentlich durch die Lehrperson prägbar und geprägt. Dies hängt nicht nur von individuellen, also nicht imitierbaren, Eigenschaften der Person ab, sondern maßgeblich (und glücklicherweise erlernbar) von professionellem Umgang via Aufgabenstellungen. Der erste Punkt wird, so selbstverständlich er scheint, häufig Opfer von Flüchtigkeit: Die Teilnehmer, v.a. in gemischtnationalen Gruppen, müssen einander mit Namen kennen, damit eine Gruppenatmosphäre entstehen kann. Dazu trägt außer dem Lehrerverhalten (Namen so lange erfragen, bis man sie gut aussprechen kann) eine gezielte Einbeziehung der Namen in die ersten Kurstage bei. Wenn die Teilnehmer z.B. ihre Namen geschrieben sehen, buchstabiert hören und wiederholt benutzen müssen, stärkt das die Gruppe sehr. Geeignete Aufgaben u. Maßnahmen dazu:

Der zweite Punkt ist ebenfalls gleich zu Beginn ein "Weichensteller": Das gegenseitige Zuhören, das erst kommunikativen Unterricht lernfördernd macht, muss möglich sein. Das verlangt (wiederum verstärkt bei gemischtnationalen Gruppen) ein intensives Einhören in die verschiedenen "Akzente" der TN. Denn diese sind teilweise untereinander ohne Übung kaum zu verstehen, verstärkt durch eine Abwehrhaltung ("ich will kein falsches Deutsch hören, am liebsten nur den Lehrer"). Dass man sein Deutsch nicht "verdirbt", wenn man viele verschiedene Sprechweisen hört, ist leicht vermittelbar mit dem Beispiel der Dialekte und des großen Nutzens, für alle phonetischen Abstrusitäten gewappnet zu sein. Zu-/Einhören kann man mit folgenden Mitteln unterstützen:

Im weiteren Verlauf des Kurses hilft das Beibehalten wechselnder Gruppenzusammensetzung sehr. Die "Generierung" der Gruppen kann mal zufällig, mal wahlweise, mal nach Herkunftsländern, mal nach Interesse für Auswahlthemen, mal nach innerer Differenzierung usw. erfolgen, so dass sich ganz selbstverständlich variierende Gruppen ergeben. Aufgaben, die zur Veröffentlichung eines Produkts im Kurs führen (Grafiken, Lese- u. Hörtexte usw.), sollten den TN immer die Gelegenheit geben sich mit den Inhalten soweit zu identifizieren, dass sie sich nicht blamiert, sondern gut fühlen. Wenige freiwillige Präsentationen können oft besser für den Kurs sein als das langweilige "jeder darf/muss". Aufgaben, die mehrere gleichwertige Lösungen zulassen, fördern das Zuhören und die gegenseitige Wertschätzung. Eine wichtige Grundlage für gegenseitige Akzeptanz ist der Respekt vor dem Können (der Platz in der Hierarchie der Gruppe). Daher ist es wichtig für genügend Abwechslung in den Aufgabentypen zu sorgen, sodass verschiedene Stärken zur Geltung kommen können. Sorgfaltsaufgaben, wettbewerbsartige Aufgaben, Aufgaben die Phantasie, systematisches Vorgehen, Geschwindigkeit, Inspiration, Geduld oder spezielle Kenntnisse u. Fähigkeiten erfordern, bringen immer wieder Überraschungen im Kurs hervor: Immer neue TN können so "glänzen". Wenn z.B. immer der gleiche TN-Typ klarer Leistungsträger in der Gruppenarbeit ist, dann ist diese für alle uneffektiv: Die einen verlieren, weil sie es schneller/besser alleine könnten, die anderen, weil sie zu Statisten degradiert werden. Die Stimmung in der Gesamtgruppe ändert sich dadurch in Richtung eines klaren Rankings und Grüppchenbildung. Sprachlernen ist in dieser Atmosphäre kaum mehr möglich (es muss noch gar nicht feindselig sein - "unlocker, unvertraut" ist schon destruktiv genug). Schließlich tragen die durch eine Aufgabenstellung erforderlichen Personenanordnungen im Raum wesentlich zur Atmosphäre im Kurs bei. Den Aufgaben angemessene Sitzformen (Gruppentische, Konferenztisch, Hufeisen, Reihen, 2 Blocktische, keine Tische usw.) und das fleißige Umbauen signalisieren Beweglichkeit u. geplantes Vorgehen und werden bald zur Selbstverständlichkeit. Gegen ungute Kursstimmung z.B. hilft es sehr, eine Weile an einem Konferenztisch zu bleiben und das "Wir alle zusammen" erfahren zu lassen. Dabei können durchaus Still- und Einzelaufgaben in dieser Sitzform stattfinden, typischerweise aber Plenumsaktivitäten.

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